Als Absolvent des ersten postgradualen Lehrgangs Geriatrie an der Donau-Universität Krems beschäftigte ich mich im Rahmen meiner Master-Thesis mit der Fragestellung der Unterdiagnose bei alten Menschen.
Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung nimmt mit steigender Lebenserwartung ständig zu. Kennzeichnend für die Gruppe älterer Menschen ist eine erhöhte Morbiditätsrate.
Die Diagnostik kann in Hinblick auf geriatrietypische Funktionsstörungen und Multimorbidität in dieser Altersgruppe erschwert sein. Atypische oder subklinische Krankheitssymptomatik und -verlauf stellen eine zusätzliche diagnostische Herausforderung dar.
Die altersbedingt zunehmende Morbidität und die altersspezifischen Anforderungen an die Diagnostik führen zur Frage: Sind alte Menschen unterdiagnostiziert? „Unterdiagnose“ bezeichnet den Umstand, dass Krankheiten weniger oft diagnostiziert werden als ihrem tatsächlichem Vorkommen entspricht. „Alte Menschen“ werden in der Geriatrie über das biologische Alter definiert, das kalendarische Lebensalter ist von untergeordneter Bedeutung.
Die klinische Erfahrung an unserem Department für Akutgeriatrie und Remobilisation zeigt, dass wesentliche Krankheitsbilder und Funktionsstörungen des älteren Menschen zum Zeitpunkt der Aufnahme in wiederholten Fällen nicht bekannt waren.
Eine Vorerhebung mit sequentieller Datenerhebung über vier Wochen und Erfassung von 38 Patienten bestätigt diese klinische Erfahrung.
Bei knapp einem Drittel der untersuchten Patienten wurden vorbestehende Erkrankungen neu diagnostiziert: Kognitive Defizite, Herzrhythmusstörungen, Störungen im Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt, Diabetes mellitus, Harnwegsinfekt, Inkontinenz, zentrale neurologische Erkrankung, Schilddrüsenfunktionsstörung u.a.
Eine exakte Diagnostik ist Voraussetzung für zielgerichtete und effektive Therapiemaßnahmen.
Weitere Untersuchungen zur Absicherung der Ergebnisse sind vorgesehen.
Unsere Einrichtung ist ein Department für Akutgeriatrie und Remobilisation und Teil der Abteilung für Innere Medizin des Marienkrankenhauses Vorau. Entsprechend den Kriterien des Österreichischen Strukturplans Gesundheit 2006 werden multimorbide und / oder funktionell bzw. kognitiv eingeschränkte oder von Funktionseinschränkung bedrohte ältere Patienten stationär aufgenommen.
Die fächerübergreifende Primär- und Sekundärversorgung geriatrischer Patienten erfolgt durch ein geriatrisch qualifiziertes, interdisziplinäres Team und umfasst Ärzte, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege, Ergotherapie, Physiotherapie, Sozialarbeit, Klinische Psychologie, Diätologie und Logopädie.
Das multidimensionale Behandlungs- und Betreuungsangebot berücksichtigt gleichermaßen medizinische, funktionelle, psychische, kognitive und soziale Aspekte der Erkrankung.