Ergotherapie

Ingo Alfers

Ergotherapie

Ergotherapie geht davon aus, dass 'Aktiv sein' ein menschliches Grundbedürfnis ist und zur Heilung beiträgt. Unser Ziel ist das Wiedererlangen oder Erhalten von Lebensqualität und weitestgehender Selbstständigkeit. Dabei richtet die Ergotherapie ihren Blick - von den eigenen Zielen der PatientInnen ausgehend - auf deren Handlungskompetenz in Alltagsaktivitäten (Essen und Trinken, Körperhygiene und Anziehen, Fortbewegung, Haushaltsführung, Berufstätigkeit und Produktivität, Freizeitaktivitäten ) oder Teilhabe am Sozialleben und erarbeitet diese komplexen Handlungen in Teilschritten. In der Regel wird im Therapieprozess mit dem Erlangen spezifischer Kompetenzen in einzelnen Körperbereichen (Feinmotorik/Motorik, Kraft, Körper-/Raumwahrnehmung und Gleichgewicht, Sensibilität, Konzentration, Merkfähigkeit, Orientierung und Handlungsplanung ) begonnen. Im Unterschied zu anderen Therapieformen kommen dabei gegebenenfalls Spiele und handwerkliche Techniken zum Einsatz oder werden Aktivitäten wie Kochen und Bügeln praktisch erprobt.


In der Therapie von Menschen fortgeschrittenen Alters kann die Verbesserung von Lebensqualität je nach ärztlicher Diagnose und persönlicher Lebenssituation unterschiedlich aussehen. Sie kann durch das gezielte Training eingeschränkter Körperfunktionen und Alltagsaktivitäten oder durch allgemeine Aktivierung und Ermutigung zur Mobilität erlangt werden. Wenn anders nicht möglich, steigern kompensatorische Maßnahmen wie das Erlernen von Tricks und die Verwendung von Hilfsmitteln oder Schienen die persönliche Unabhängigkeit. So sind etwa Rollstuhltraining oder das Krückengehen in verschiedenen Umgebungen ebenfalls Teil der Ergotherapie.


Im Beratungsgespräch werden Gelenkschutz und rückenschonendes Verhalten im Alltag nach Operation, Abnützungen oder rheumatischer Erkrankung besprochen und praktisch geübt. Diesbezüglich oder zur Vermeidung von Stürzen kann eine Veränderung von gewohntem Verhalten und der Wohnumgebung notwendig werden. Hilfsmittel wie Badewannenbrett und Alltagshilfen wie Greifzange, Sockenanzieher oder Rheumamesser werden vorgestellt und ausprobiert. Bei Bedarf beraten wir gerne auch Angehörige. 

Übungsküche
Werkbank
Übungsbad

Ergotherapeutische Leistungen auf der AG/REM-Station (je nach Bedarf):

  • Sensomotorik-Training: Allgemeine Aktivierung und spezifisches Training. Körperwahrnehmung, Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer oder arm- und hand-spezifische Kraft und Beweglichkeit sowie feinmotorisches Geschick werden durch gezielte Übungen, funktionelle Spiele oder eine handwerkliche Aktivität trainiert. Dieses Funktionstraining kann einzeln oder in einer Bewegungs-/ Werkgruppe (z.B. Korbflechten, Seidenmalen) stattfinden. Das Fühlen wird am Besten in Kombination mit Bewegung trainiert. Eine spezifische Behandlung sensorischer Probleme kann durchaus zielführend sein, etwa eine Desensibilisierung bei Überempfindlichkeit nach Amputationen oder bei Neuropathien.
  • Spiegeltherapie: Bei sensorischen und motorischen Problemen wie Phantomschmerz nach Amputation oder Lähmungserscheinungen wird unter Einsatz eines Spiegels über die Beschäftigung mit der gesunden Körperhälfte das Gehirn überlistet.
  • Kognitiv-aktivierendes Training: Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Schwierigkeiten beim Planen und Durchführen von Tätigkeiten sind Anlass für spielerisches, individuell angepasstes kognitives Training. Als Neurotraining, das zusätzlich z.B. räumliche Wahrnehmung und Sprachleistungen berücksichtigt, kann das bei neurologischen Erkrankungen (Schlaganfall, MS) Sinn machen. Vorbeugend für jedermann/frau findet einmal pro Woche die kognitiv-aktivierende Gruppe in Zusammenarbeit mit der klinischen Psychologie statt. Bei Problemen wie Antriebslosigkeit, Depression oder Verhaltensauffälligkeiten kann Ergotherapie etwa mit handwerklichen Tätigkeiten Ressourcen aktivieren, in der Gruppe resozialisieren und durch die Strukturierung des Alltags sinngebend zum Heilungsprozess beitragen.
  • Gelenkschutzberatung, ergonomische Beratung, Rückenschule: Bei Überlastungssyndromen ist körpergerechtes Verhalten im Alltag besonders wichtig. Gelenkschutzprinzipien oder Verhaltensregeln nach Operationen werden anhand des individuellen Alltags (Gehen, Sitzen, Liegen, Heben, Tragen, Kochen, Wäsche, Putz, Garten, Heizen, Landwirtschaft, Einkauf, Auto) konkret besprochen und wenn möglich erprobt. Hier kommt es zum Einsatz von Alltagshilfen oder Schienen.
  • Hilfsmittelberatung und -versorgung: Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Badewannenbrett werden vorgestellt, besorgt und erprobt. Bei Problemen mit Alltagsaktivitäten können sogenannte Alltagshilfen (Sockenanzieher, Greifhilfe, Knöpfhilfe, langer Schuhlöffel) eingesetzt werden.
  • Training von Basis-Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL): Um die Selbstständigkeit im häuslichen Alltag zu gewährleisten werden bei Wunsch und Aussicht auf Erfolg während des REM-Aufenthalts im 'Trockentraining' oder konkreten Tagesablauf Körperhygiene und Anziehen (morgens) oder Nahrungsaufnahme (zu den Essenszeiten) geübt. Dabei kommen eventuell Alltagshilfen zum Einsatz. Teils werden diese in der Therapie vorgestellt und dem Patienten/der Patientin zur selbstständigen Erprobung überlassen.
  • Training erweiterter Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL): Verbesserung der Mobilität ist das Hauptziel auf der AG/REM, daher wird neben der physiotherapeutischen Gangschulung auch in der Ergotherapie Gehtraining oder Rollstuhltraining im Innen- und Außenbereich durchgeführt. Weitere Möglichkeiten reichen je nach Patientenziel und Stadium des Therapieprozesses vom Training von Kochen und Selbstversorgung bis hin zu Schreibtraining und zum Erarbeiten von Lösungen für individuelle Probleme z.B. bei Freizeitaktivitäten.





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